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die damen, bitte den mund aufmachen!

Dr. Cornelia Topf

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Liegengeblieben? Keine Sorge. Auch dem arroganten Mechaniker verschlägt's bei unerwarteten ironischen Spitze die Sprache (Foto: clipart.com)

DIE COACHING-PRAXIS. CLEVERE TIPPS VON CORNELIA TOPF

Frauen können so viel. Immer öfter auch sehr viel mehr als ihre männlichen Kollegen. Nur bringt ihnen das wenig – weil sie sich nicht trauen, den Mund aufzumachen.

Die junge Frau, die den Pannendienst gerufen hat, will offensichtlich ausgehen: Sie trägt Designer-Jeans, ein feines Top, eine durchgestylte Frisur. Der Mechaniker wirft die Motorhaube ihres liegengebliebenen Kleinwagens auf und grient: "Oder ist vielleicht der Tank leer?" Die junge Frau flötet augenklimpernd: "Ach? Tanken muss man bei dem auch?" Dem Mechaniker bleiben ob der unerwarteten ironischen Spitze erst mal die Worte weg: Mit Frauen, die humorvoll und intelligent den Ball zurückspielen, kann er nicht umgehen. Noch bevor er weiß, was er sagen soll, hilft sie ihm aus der Patsche: "Der Anlasser dreht nicht, obwohl ich den Magnetschalter beim Drehen des Zündschlüssels deutlich höre. Vielleicht könnten Sie mal danach sehen." Der Monteur kriegt schwache Knie. Vor allem als sie erklärt: "Ich bin Mechanikerin im Kfz-Betrieb meiner Eltern. Ich komm bloß in den Klamotten nicht an den Anlasser ran. Könnten Sie mal?"

Verbreitetes Übel

Was auf der Landstraße noch die Anmut einer Posse hat, macht Frauen im Berufsleben schon schwerer zu schaffen. Eine Ingenieurin erzählt mir etwa im Coaching: "Neulich beim Kunden standen die Kollegen um eine defekte Anlage herum und fachsimpelten über mögliche Ursachen. Alle lagen meilenweit daneben – und ich kannte die Lösung. Aber meinen Sie, ich hätte den Mund aufgekriegt?" Typisch auch dieser Begebenheit: Eine Anlagen-Verkäuferin geht mit ihrem Chef auf Kundenbesuch. Er erklärt ein Produkt völlig falsch, der Kunde versteht nur Bahnhof. Sie weiß genau, welchen Satz der Kunde hören will, damit er wieder ins Gespräch einsteigt – sagt ihn aber nicht. Und nicht nur sie. Ich kenne kaum eine Frau, die nicht zumindest zeitweilig in Beruf oder Privatleben eine ähnliche Sprachhemmung hat. Wie nachteilig dieses Zwangsschweigen für Frauen ist, ist bekannt. Weniger bekannt ist, wie sich Frauen aus der Umklammerung des Schweigens befreien. Wie wäre es mit frech?

Frechheit siegt

"Ach? Tanken muss man bei dem auch?" Ironie, Witz, Bissigkeit – damit können Frauen punkten, weil sie diese Stilmittel überraschend wirken und weil Frauen sie in der Regel beziehungsfreundlich einsetzen. Schlagfertigkeit und Gewitztheit – das sind hervorragende Mittel, um aus der Sprachhemmung auszubrechen. Und jede Frau verfügt darüber.

Vom Baum runter holen

Eine Software-Entwicklerin leidet darunter, dass sie fast alles besser weiß als ihre männlichen Kollegen, es aber fast nie sagt. "Warum nicht?", frage ich im Coaching. "Weil ich nicht besserwisserisch klingen möchte! Wer kann schon Oberlehrer leiden?" Niemand. Deshalb arbeiten wir eine Formulierung aus, die nicht nach Oberlehrerin klingt. Als das nächste Mal die Kollegen ratlos um den Bildschirm sitzen, sagt sie nicht: "Ich weiß es aber!" Sie sagt: "Darf ich auch mal probieren? Wenn es nicht klappt, dürft ihr mich auslachen." Die Männer grinsen, die Atmosphäre entspannt sich. Und als sie den verblüfften Kollegen am Bildschirm die Lösung demonstriert, sagt sie: "Na so was. Das klappt tatsächlich! Hm, vielleicht hat es doch an der Sub-Routine gelegen." Und schon fachsimpeln die Kollegen, ob es daran lag oder nicht. Die Kuh ist vom Eis, die Gefahr gebannt, wie eine Streberin zu klingen.

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Seither macht die Entwicklerin immer den Mund auf, wenn sie mehr Ahnung hat. Genau auf diese beziehungsfreundliche aber direkte Art. Inzwischen ist sie zum Group Leader aufgestiegen. Nicht nur, weil sie es tatsächlich besser weiß, sondern weil alle Kollegen sagen: "Die hat es verdient. Die hat was drauf – und schmiert dir das nicht bei jeder Gelegenheit aufs Butterbrot!"

Dr. Cornelia Topf berichtet an dieser Stelle jeden Monat aus Ihrem Job-Alltag. Sie coacht und trainiert Führungskräfte und deren Mitarbeiter aus allen Branchen und Unternehmensgrößen und leitet metatalk (www.metatalk-training.de), das Augsburger Trainingsinstitut für Erfolgskommunikation. Zudem hat sie mehrere Bücher veröffentlicht.

Hier geht's zum Coach-Profil von Dr. Cornelia Topf

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knick nicht ein!
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