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von Katrin Futterknecht
Eine Frage der Organisation: Oft beschäftigen sich berufstätige Mütter besonders intensiv mit ihren Kindern. (Bild: clipart)
Wer nach der Babypause zurück in den Beruf kehrt, muss sich entscheiden: Voll- oder Teilzeit? – Die Antwort findet jede Frau, indem sie ihren ganz persönlichen Lebensplan entwirft.
Es ist einer der Tage im neuen Jahr, an denen die Sonne schon so stark ist, dass sie die Vorfreude auf den Frühling weckt. Deshalb sitzen die beiden Freundinnen Maren, 34, Einkäuferin bei einem Automobilzulieferer und Simone, 32, Assistentin des Vorstands einer regionalen Bank draußen vor einem Café, trinken Cappuccino und freuen sich, dass ihre beiden Kinder Valentin und Tim in ihren kuscheligen Kinderwägen schlafen. Jetzt, wo die Jungs beide ein Viertel Jahr alt sind, beschäftigt ihre Mamas eine Frage besonders intensiv: Wie geht es weiter? Beide wollen in drei Monaten wieder zurück in den Job. "Ich muss sogar wieder arbeiten", sagt Maren, "denn wir brauchen im Moment das Geld. Wir können uns einen längeren Ausfall meines Gehalts einfach nicht leisten." Und Simone, die eigentlich das erste Jahr zu Hause bleiben wollte, ist von den aktuellen Wirtschaftskrisen-Meldungen ziemlich verunsichert. "Gut möglich, dass bei meinem Arbeitgeber in nächster Zeit die Stühle des Vorstands wackeln", erzählt sie, Nicht ausgeschlossen, dass das dann auch mich betrifft Am liebsten würde ich sofort halbtags wieder anfangen, damit ich in diesen Zeiten vor Ort bin." Schwierige Entscheidungen stehen also an.
Zumal der Wiedereinstieg in den Beruf in Deutschland in vielen Unternehmen noch immer ein Hürdenlauf ist: Wie kommt man am besten wieder rein in die Arbeitswelt? Wie zufriedenstellend ist das gewählte Modell und wie mühsam der Weg dorthin? Margit Christiany-Sambeth, selbst Mutter von drei Kindern, ist Personalspezialistin und selbstständige Beraterin mit Schwerpunkt Berufsrückkehr. Sie fand in einer von ihr initiierten Studie heraus, dass sich die meisten Mütter einen Wiedereinstieg in Teilzeit wünschen, am liebsten mit 15 bis maximal 25 Stunden pro Woche. Gleichzeitig äußerten sich jedoch vor allem bereits in Teilzeit arbeitende Mütter über ihre derzeitige Situation eher unzufrieden. Der häufigste Grund: Das Gefühl, im Job unterfordert zu sein, etwa weil die zugewiesenen Aufgabeninhalte unbefriedigend oder die Projekte weniger anspruchsvoll waren. Viele empfanden sich gegenüber den Vollzeitlern eher als Hilfskräfte und sahen den Stellenwert der eigenen Arbeit verringert. Zudem fehlen den Frauen häufig die Karriere-Vorbilder, die auch in Teilzeit arbeiten.
"Ich weiß gar nicht, ob mein Arbeitgeber es gut finden würde, wenn ich plötzlich mit dem Wunsch an ihn herantrete, nur noch vormittags zu arbeiten", äußert Simone ihre Bedenken. Die Sorge ist eigentlich unbegründet, denn grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer, der seit mehr als sechs Monaten in einem Arbeitsverhältnis steht, Anspruch auf Teilzeittätigkeit. Die einzige Voraussetzung ist, dass in dem Unternehmen mehr als 15 Menschen beschäftigt sind. Den Wunsch der Verkürzung muss man mindestens drei Monate bevor man mit verringerter Stundenzahl wieder einsteigen will schriftlich geltend machen, inklusive der gewünschten Verteilung der Arbeitszeit.
"Ich organisiere gerade eine Kinderbetreuung", sagt Maren, die wieder Vollzeit arbeiten will. "Das ist gar nicht so einfach, außerdem gehen mir jede Menge Fragen durch den Kopf." Wie wird es sein, wenn mein Kind krank ist? Was ist, wenn ich Überstunden machen oder eine Dienstreise antreten muss? "Zum Glück wohnen meine Schwiegereltern in der Nähe", erzählt Simone, "die freuen sich sogar, wenn sie mir unter die Arme greifen können." Wenn solche Anlaufstellen jedoch fehlen, wird es schwierig – meistens vor allem für die Mütter.
Vor dem Wiedereinstieg gilt es also so manche Hürde zu nehmen. Und selbst wenn alle Notfallszenarien geklärt sind, bleibt die Frage der Zufriedenheit und wie gut die Balance zwischen Beruf und Familie funktioniert. "Meistens ist es Learning by Doing, wie Frauen beim Wiedereinstieg vorgehen", meint die Personalexpertin Margit Christiany-Sambeth. "Gespräche mit Freundinnen oder Bekannten in ähnlichen Situationen helfen weiter, aber letztendlich sucht sich jede Mutter ihren eigenen Weg. Und das ist auch gut so, weil jeder Fall ganz individuell ist."
Im Trend sind so genannte Wiedereinstiegsseminare oder ein persönliches Coaching, um Komplikationen so gut wie möglich zu vermeiden. Immer mehr Unter nehmen erkennen hier Bedarf – weil sie es sich gerade in Krisenzeiten nicht leisten können, auf qualifizierte und eingearbeitete Mitarbeiter zu verzichten. Deswegen vermitteln sie interessierte Frauen mehr und mehr an entsprechende Stellen vor Ort oder kennen zumindest Anlaufstellen für weitere Informationen. Eine gute Adresse im Internet ist beispielsweise www.frauenmachenkarriere.de. Auch die örtliche Agentur für Arbeit hat in der Regel Infos zu entsprechenden Veranstaltungen. Die wichtigsten Themen dabei sind "Kinderbetreuungsmöglichkeiten im Vergleich", "eigene Ziele und Standortbestimmung" und "rechtliche Situation beim Wiedereinstieg". "Bei einem guten Coaching", so Margit Christiany-Sambeth, "bekommen die Frauen konkrete Hilfe, Lösungsvorschläge und Tipps sowie das Aufzeigen von Möglichkeiten, auf die sie selber gar nicht kämen." Maren hat dennoch Bedenken: "Trotz allen Angeboten, habe ich einfach Angst, dass ich bei einer Teilzeittätigkeit mit einem Karriereknick konfrontiert werde." – "Das wird nicht passieren, wenn wir Frauen offensiv und immer wieder an allen relevanten Stellen unsere Wünsche vorbringen und auch durchsetzen", ist Simone überzeugt. "Es kann doch nicht sein, dass Deutschland hinsichtlich der Flexibilität in ganz Europa Schluss licht ist."
Tatsächlich ist aber genau das leider immer noch der Fall: Zwar nimmt die Zahl der Frauen in der Bundesrepublik, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, langfristig zu. Auf Vollzeitstellen umgerechnet stagniert dieser Anteil jedoch seit Beginn des Jahrzehnts, weil vor allem durch den Minijob-Boom die Arbeitszeit pro Person abnimmt. Deutschland geht hier im Vergleich zu anderen Ländern einen Sonderweg. Die auf Vollzeitstellen umgerechnete Beschäftigungsquote von Frauen ist in den letzten Jahren unter den EU-Durchschnitt gesunken. Die Arbeitszeiten von Frauen sind die zweit kürzesten in Europa – bei Teil zeitbeschäftigten sogar die kürzesten. Also: Trotz aller Bemühungen über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat sich der Einfluss von Ehe und Kindern auf die Arbeitszeiten von Frauen in den letzten Jahren weiterverstärkt. Gleichzeitig steigt nicht nur das Bedürfnis vieler Frauen, nicht der Kinder wegen aus dem Arbeitsprozess herausgerissen zu werden, sondern wegen der wirtschaftlichen Situation auch die Notwendigkeit, für ein regelmäßiges Einkommen zu sorgen. Um Ihnen und auch Marian und Simone die Entscheidung zu erleichtern, hier die Vorteile für das jeweilige Beschäftigungsmodell.
Zunächst für Teilzeit:
1. Teilzeitarbeit ermöglicht es Müttern mit geringerem Aufwand trotzdem den Anschluss in ihrem Beruf und vor allem ihre Stelle zu behalten.
2. Teilzeit arbeitende Mütter können besser als Vollzeit-Mitarbeiterinnen ihre Wochenstunden ihren eigenen Bedürfnissen anpassen, aber auch denen des Arbeitgebers.
3. Teilzeitarbeit wird mehr und mehr auch in anspruchsvollen Jobs möglich, zum Beispiel mit Hilfe von Ergänzungskräften oder in Kombination mit einem Home-Office.
4. Und: Teilzeit rechnet sich! So denken jedenfalls immer mehr Personalmanager. Ihre zwei wichtigsten Argumente sind, dass flexible Arbeitsmodelle gerade in Krisenzeiten Personalkosten sparen. Außerdem verhindern sie, dass ihnen qualifizierte Frauen, in deren Ausbildung die Unternehmen über mehrere Jahre investiert haben, nach der Babyphase abhanden kommen.
Aber natürlich hat auch das Vollzeitmodell Vorteile: Die Gefahr eines Karriereknicks ist wesentlich geringer. Zudem bricht nicht plötzlich ein Teil des Einkommens weg. Außerdem erspart man sich einigen Stress, denn trotz Teilzeitgesetz ist es in der Praxis nach wie vor anstrengend, eine Arbeitszeitreduzierung zu realisieren. Kaum ein Arbeitgeber bietet freiwillig Teilzeit an – mit Ausnahme des öffentlichen Dienstes.
Maren und Simone dagegen haben im Laufe ihrer Diskussion vor allem eines gelernt: Wie auch immer man sich entscheidet, der Staat subventioniert leider immer noch im gesamten wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen System das klassische Modell der Einverdienst-Ehe. Regelungen wie das Ehegattensplitting, die beitragsfreie Krankenversicherung und Hinterbliebenenrente für Ehefrauen behindern die Berufstätigkeit von verheirateten Müttern. "Der Zusatzverdienst ist oft so gering, dass sich Arbeit nicht lohnt", klagt Simone. "So werden Frauen in Deutschland in die Abhängigkeit vom Partner oder Staat getrieben." Dagegen wollen sie kämpfen, jede für sich in ihrem Modell. Wie Simone und Maren ihre ersten Monate zurück im Beruf erlebt haben, darüber berichten sie in der nächsten Ausgabe von WomenatWork.
Jetzt aber haben ihre Babys erstmal Hunger. Während Maren ihren Sohn liebevoll stillt, fasst sie ihr Ziel zusammen: "Ich möchte meine Zeit teilen. Mit mir, mit meinem Sohn und mit meinem Beruf."
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