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nie wieder aufschieben

von Mai Ziertmann

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"Aufschieberitis" klingt nach Krankheit und ist auch eine - die Sie selbst am besten bekämpfen können (Bild: clipart.com)

Was Du heute kannst besorgen, verschiebe ruhig auf morgen? Oder Übermorgen? Die meisten guten Vorsätze bleiben ohne Umsetzung! Wir verraten Ihnen, wie Sie Ihren eigenen Aufschiebe-Strategien den Garaus machen

"Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu" (Ödön von Horváth). Na, kommt Ihnen das bekannt vor? Hand auf's Herz! Ich nehme an, auch Sie schieben Dinge immer wieder vor sich her, die Sie eigentlich schon längst erledigt haben wollten? Unzählige Menschen planen seit Jahren, endlich mal wieder mit Sport anzufangen. Andere stellen zu Ostern fest, dass vor Weihnachten dringend der Keller aufgeräumt werden müsste, um leichter an die Deko-Kiste zu kommen. Bis plötzlich wieder Ostern ist! Ungünstigerweise stellt sich ja kurz nach dem Aufschieben erst einmal eine wohlige Erleichterung ein, etwas Lästigem noch mal aus dem Weg gegangen zu sein. Manchmal besteht auch klammheimlich die Hoffnung, dass sich die Dinge von allein erledigen oder sich schon jemand anderes darum kümmern wird. Das alles entscheidende Wort "eigentlich" verdeutlicht es jedoch bereits: langfristig breitet sich unweigerlich Unzufriedenheit aus. Selbstvorwürfe, es wieder mal nicht geschafft zu haben, steigern die Unlust und demotivieren uns, einen nächsten Versuch zu wagen. Der Psychologe Dr. Marc Stollreiter bezeichnet dieses Phänomen mit dem anschaulichen Begriff "Aufschieberitis". Klingt nach Krankheit, finden Sie? Stimmt! Aber die gute Nachricht ist: sie ist behandelbar! Wie bei einer Krankheit ist es notwendig, sich die Symptome der "Aufschieberitis" genauer anzusehen! Denn, nur wenn man weiß, womit man es zu tun hat, kann man auch dagegen vorgehen! Wie macht sich die "Aufschieberitis" also bemerkbar?

Symptome der Aufschieberitis

Im Berufsleben besteht meist genügend Druck von außen, der es erleichtert, auch ungeliebte Aufgaben in Angriff zu nehmen. Daher macht sich die "Aufschieberitis" typischerweise vor allem im Privatleben breit. Natürlich kommt es vor, dass man im Alltag durch unerwartete Begebenheiten, weniger wichtige Aufgaben im Zeitplan nach hinten verschiebt. Niemand plant eine Erkältung, eine kaputte Heizung etc. ins alltägliche Zeitmanagement mit ein. Unstrittig ist auch, dass es im Leben jedes Menschen wichtigere und unwichtigere Dinge gibt, die es zu erledigen gilt. Es ist zum Beispiel sicher unwichtiger, die Stapel von Photos in die bereits gekauften Alben einzukleben, als einen Termin zur ärztlichen Vorsorgeuntersuchung einzuhalten. In vielen anderen Bereichen, fällt diese Entscheidung häufig jedoch nicht so leicht. Dr. Stollreiter erklärt, dass der Unterschied darin besteht, dass Sie sich beim Verschieben an Ihre Prioritäten halten - beim Aufschieben hingegen, handeln Sie entgegen Ihren individuellen Ziele.

Aufschieben oder Verschieben?

Ob es sich bei Ihnen nun um Auf- oder Verschieben handelt, können nur Sie selbst beurteilen, indem Sie, auch wenn's weh tut, ehrlich zu sich sind! Da sich Gewohnheiten dadurch auszeichnen, dass sie quasi automatisch und unbewusst ablaufen, ist der erste Schritt in Richtung Veränderung, sich über sein Tun bewusst zu werden. Notieren Sie sich also im ersten Schritt auf einem Blatt Papier, in welchen Lebensbereichen Sie dazu neigen, Dinge aufzuschieben. Notieren Sie erst einmal alles, was Ihnen einfällt! Und, aufgepasst: Fangen Sie auch hierbei gar nicht erst mit Aufschieben an, sondern notieren Sie dies jetzt sofort! Lesen Sie erst im Anschluss unsere Empfehlungen auf der nächsten Seite, wie Sie mit ihrem neuen Wissen nun umgehen können!

keine chance der aufschieberitis

Sieben Schritte gegen Aufschieberitis

Wenn Sie Ihre individuelle „Aufschieberitis“-Liste vor sich liegen haben, gehen Sie so vor:

1. Erstellen Sie im ersten Schritt eine Rangordnung der von Ihnen aufgeschobenen Dinge! Fragen Sie sich: Welche der Aufgaben muss heute, morgen, nächste Woche, nächsten Monat, etc. erledigt werden? Wenn Sie sich partout nicht entscheiden können, womit Sie beginnen sollen, werfen Sie eine Münze. Bestimmen Sie vorher, welche Seite für welchen Punkt Ihrer Liste steht.

2. Schätzen Sie im nächsten Schritt für die ausgewählte Aufgabe Ihre aktuelle Tatkraft auf einer Skala von 0 - 10 ein. Notieren Sie sich dies!

3. Fragen Sie sich dann: Was können Sie tun, um sich um zwei Punkte auf der Skala nach oben zu bewegen? Was müssten Sie dafür an Ihrer Selbstorganisation ändern? Zu welcher Tageszeit sind Sie besonders leistungsstark? Wann im Alltag haben Sie geeignete Zeitfenster zur Erledigung? Welche Person könnte Ihnen eventuell dabei helfen? Welche Informationen brauchen Sie im Vorfeld?

4. Formulieren Sie nun so konkret wie möglich Ihren ersten Schritt! Schreiben Sie sich dies jetzt gleich auf!

5. Um sich selbst zu verpflichten, diesen ersten Schritt auch tatsächlich umzusetzen, notieren Sie sich nun sofort einen Termin dafür in Ihrem Kalender / Timer / Handy – am besten mit Erinnerungsfunktion! Tragen Sie auch die genaue Uhrzeit und Zeit ein, die Sie voraussichtlich brauchen werden. Schicken Sie sich zur Erinnerung selbst eine e-Mail oder hängen Sie sich Notizzettel in der Wohnung an Stellen auf, an denen Sie häufig vorbeikommen, z.B. am Kühlschrank. Tragen Sie sich bei längerfristigen Aufgaben auch Vortermine ein, z.B. zwei bis drei Monate vor dem jeweiligen Fälligkeitsdatum.

6. Planen Sie eine Belohnung ein! Überlegen Sie, womit Sie sich selbst eine kleine Freude machen könnten, wenn es Ihnen gelungen ist, sich dieser Aufgabe zu stellen statt sie aufzuschieben? Mit einer Blume? Einem Entspannungsbad? Einer Zeitschrift? Etwas Süßem? Tragen Sie sich auch dies in Ihren Kalender ein!

7. Planen Sie ab sofort in Ihren Alltag einen festen Termin ein, an dem Sie Ihre „Aufschieberitis“-Liste regelmäßig durchgehen! Mit der Zeit wird dieser Termin zur Routine werden und umso leichter wird es Ihnen fallen, sich auch mit lästigen Dingen zu konfrontieren! Planen Sie, sich z.B. jeden Sonntag nach dem Frühstück für 30 Minuten mit dieser Liste zu beschäftigen.

Diese Tipps beweisen: Aufschieben bringt nichts!

Stellen Sie sich die Frage, in welchen Bereichen Ihres Lebens Sie dazu neigen, Dinge immer wieder aufzuschieben

Überprüfen Sie: Handelt es sich bei Ihnen dabei um Auf- oder Verschieben?

Notieren Sie sich die Antworten auf Ihre Fragen stichpunktartig!
>> Wenn Sie etwas schriftlich festhalten, erhält es automatisch einen Selbstverpflichtungscharakter! Sie erhöhen damit die Chance, in Zukunft systematischer vorzugehen und Dinge nicht aus dem Blick zu verlieren!

Auch wenn es Ihnen ungewohnt erscheint: Je konkreter Sie etwas planen und auch notieren (Datum, Uhrzeit, voraussichtliche Dauer), desto wahrscheinlicher die Umsetzung.

Belohnen Sie sich! Wir alle brauchen einen Anreiz, um die kurzfristige Überwindung in Kauf zu nehmen, unangenehme Dinge anzugehen!
>> Die Belohnung sollte etwas sein, was Sie sich nicht täglich gönnen, aber auch nicht Ihren finanziellen Rahmen sprengt.
>> Überlassen Sie auch dies nicht dem Zufall, sondern planen Sie vorher ein, was eine Belohnung für Sie sein könnte!

Teil 1: nie wieder aufschieben
Teil 2: keine chance der aufschieberitis

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