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von Mai Ziertmann
Klares Signal: "Nein" sagt man am besten konsequent und entspannt. Beziehungen gefährdet das nicht (Bild: clipart.com)
Füllwörter wie "eigentlich" oder "vielleicht" signalisieren Ihrem Gegenüber Unentschlossenheit. Wenn Sie wollen, dass andere Ihr Nein ernst nehmen, müssen Sie sich eindeutig äußern! Die Devise: Ohne Zögern Nein sagen
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie kommen erschöpft vom Arbeitstag nach Hause. Auf dem Weg haben Sie sich gedanklich in den schönsten Bildern ausgemalt, wie Sie es sich gleich richtig gemütlich machen. Plötzlich klingelt das Telefon und eine gute Freundin ist am Apparat. Sie fleht Sie an, sie ins Theater zu begleiten, ihr Freund sei plötzlich erkrankt und sie möchte auf keinen Fall allein gehen. Ihre Gedanken beginnen zu kreisen: "Och nö, jetzt gleich wieder los, darauf hab ich echt überhaupt keine Lust", "Die Arme, so allein im Theater, dass ist ja auch trist", "Ich bin eine schlechte Freundin, wenn ich sie hängen lasse". Sie sagen: "Du, ich weiß nicht genau", "Eigentlich bin ich viel zu müde." Wie geht diese Geschichte wohl aus? Vermutlich erahnt Ihre Freundin anhand der unklaren Äußerung, dass sie nur noch ein bisschen weiter bohren muss, um an ihr Ziel zu kommen. Sicher kennen Sie solche oder ähnliche Situationen. Momente, in denen Sie sich selbst unschlüssig sind und sich dementsprechend äußern. Wenn ein Freund fragt, ob Sie ihm ein weiteres Mal Geld leihen, obwohl er noch nichts vom bereits Geliehenen zurückgezahlt hat. Oder Ihr Partner Sie bittet, ihn zum Essen bei seinen Eltern zu begleiten, mit denen Sie sich noch nie gut verstanden haben. Jeder von uns erlebt ständig solche Begebenheiten.
Besonders schwierig ist es, wenn uns quasi überfallartig eine Entscheidung abverlangt wird - so, wie im vorherigen Beispiel. Jeder möchte natürlich eine gute Freundin, eine gute Partnerin sein. Dahinter steht das Bedürfnis, die Beziehung zu erhalten, beliebt zu sein. Sich gegenüber Menschen abgrenzen, die uns Nahe stehen, fällt oft besonders schwer. Schuldgefühle drängen sich auf. Wir fragen uns, ob wir nicht egoistisch sind? Nicht selten entstehen aus diesem Dilemma Konfliktsituationen. Dasselbe gilt auch für den Arbeitsalltag. Wer kennt nicht die Frage von Kollegen: "Sag mal, kannst Du nicht mal eben?" - Klar, jeder möchte hilfsbereit erscheinen. Nicht zuletzt gegenüber Vorgesetzten möchte man einen guten Eindruck machen und als flexibler, engagierter und belastbarer Arbeitnehmer gelten.
Problematisch wird es jedoch, wenn man feststellt, dass in der Summe die Wünsche und Bedürfnisse der Mitmenschen häufiger berücksichtigt werden, als die eigenen. Das macht Sie zwar mit Sicherheit sehr beliebt und das ist ja schon etwas, aber Sie selbst werden immer unzufriedener. Vielleicht machen Sie sich auch noch Vorwürfe, wie "Hätte ich das bloß nicht zugesagt, dann hätte ich jetzt nicht diesen Stress". Im Endeffekt hat also niemand etwas davon, wenn Sie nicht mit Ihren Ressourcen haushalten, und zu allem Ja sagen.
Die Anderen werden aber nicht aufhören, Sie um Gefallen zu bitten! Es ist doch viel zu bequem, sich auf Sie zu verlassen! Nach dem Motto "Versuch macht klug", werden sie es immer wieder probieren. So lange, bis sie merken, dass Sie es mit dem Nein ernst meinen. Vielleicht reagiert Ihre Umwelt zuerst irritiert, vielleicht ärgerlich. Sie werden jedoch feststellen, dass ein Nein keine Beziehung gefährdet! Sicherlich beenden auch Sie keine Freundschaft, weil Ihnen jemand mal eine Bitte abschlägt? Schon in den Zehn Geboten steht geschrieben: "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst". Und abseits aller religiöser Bedeutung trifft der Teilsatz "wie Dich selbst", es auf den Punkt: So, wie Sie die Grenzen anderer Menschen beachten, respektieren Sie auch Ihre eigenen! Räumen Sie sich die gleichen Rechte ein, wie Ihren Mitmenschen! Ja!? Nein!? Mal probieren? Jaaa!!! Viel Erfolg!
Nein sagen kann man lernen. Dieses Selbst-Coaching zeigt Ihnen, wie es geht.
Bitten Sie um Bedenkzeit!
Auch wenn Sie mit der Bitte um einen Gefallen überrumpelt werden: Sie sind nicht dazu verpflichtet, auf der Stelle "ja" oder "nein" zu sagen, auch wenn der Andere das gerne möchte.
Bevor Sie dem Anderen Ihren Entschluss mitteilen, schreiben Sie sich Ihr Ziel für dieses Gespräch in kurzen Stichworten auf einen Zettel und behalten Sie diesen sogar ggf. in der Hand. Das hilft, um im Gespräch nicht den roten Faden zu verlieren und der Versuchung zu widerstehen, sich überreden zu lassen.
Schallplatte mit Sprung I
Viele Menschen, denen es schwer fällt, "Nein" zu sagen, haben das Gefühl, sich dafür rechtfertigen zu müssen. Wenn der Andere hartnäckig bleibt und immer neue Argumente vorbringt, wird es häufig schwerer, beim "Nein" zu bleiben. In solchen Fällen hat sich der Trick "Schallplatte mit Sprung" als hilfreich erwiesen. Damit ist gemeint, dass Sie beim einfachen "Nein" bleiben, ohne eine Begründung dafür zu nennen.
Beispiel: Person A: "Kann ich mir heute Dein Auto leihen?". Person B: "Nein". Person A: "Ich bräuchte aber ganz dringend heute Abend ein Auto, bitte!". Person B: "Nein, das möchte ich nicht.". Person A: "Bitte, bitte. Nur heute Abend. Neulich hast Du es mir doch auch geliehen, warum nicht heute?". Person B: "Ich bleibe bei meinem Nein. Heute möchte ich das nicht".
Schallplatte mit Sprung II
Hilfreich kann die "Schallplatte mit Sprung" auch sein, wenn Ihr gegenüber Sie nicht
ausreden lässt, Ihnen ständig ins Wort fällt. Stellen Sie in diesem Fall wiederholt die
Forderung: "Lass mich bitte ausreden". "Ich möchte bitte ausreden".
Bleiben Sie ruhig!
Ihr geäußertes "Nein" wird auch durch Ihre Körperhaltung und die Festigkeit der
Überzeugung in Ihrer Stimme unterstützt! Darauf kommt es an:
• Sprechen Sie ruhig und deutlich
• Halten Sie dabei Blickkontakt mit Ihrem Gegenüber
• Nehmen Sie eine entspannte Körperhaltung ein
• Äußern Sie Ihre Forderungen, Wünsche, Gefühle in der "Ich-Form"
• Bleiben Sie in Ihrer Argumentation bei der konkreten Situation, z.B. "heute
möchte ich das nicht". Vermeiden Sie Pauschalaussagen oder Vorwürfe wie
"immer, niemals, jedes Mal willst Du von mir…"
Das hilft Ihnen zukünftig, konsequent zu sein:
• Fragen Sie sich, in welchen Situationen bzw. gegenüber welchen Personen es
Ihnen schwer fällt, sich abzugrenzen?
• Stellen Sie sich dann die Frage: Warum eigentlich? Was steckt dahinter?
• Hinterfragen Sie Ihre Einstellungen und verborgenen Schuldgefühle
hinsichtlich deren Berechtigung:
>> Was spricht für Ihre Gedanken, was dagegen?
>> Orientieren Sie sich bei Ihren Argumenten an Tatsachen und nicht an
Befürchtungen!
>> Legen Sie eine schriftliche Pro/Contra-Liste an!
>> Denken Sie Ihre Befürchtungen zu Ende: Was wäre wirklich das
Schlimmste, was passieren könnte? Für wie realistisch halten Sie es,
dass dies eintritt? Zwischen 0 bis 100 Prozent Wahrscheinlichkeit?
• Wenn Sie Argumente finden, die Sie überzeugen, in einer nächsten ähnlichen
Situation „Nein“ zu sagen, formulieren Sie einen kurzen positiven Mut-Mach-
Satz und schreiben Sie ihn auf eine kleine Karte.
>> Tragen Sie diese Karte bei sich oder klemmen sie sie an Ihren
Badezimmerspiegel, um sich immer wieder daran zu erinnern!
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