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von Barbara Sher
Wo soll es lang gehen? Vielseitig begabte haben es im Job nicht immer leicht (Bild: clipart.com)
Manche Menschen haben es bei der Suche nach ihrer Berufung besonders schwer. Weil sie nicht nur eine haben, sondern viele. Karriereberaterin Barbara Sher hat eine Typologie der Hin- und Hergerissenen entwickelt – und erklärt, welche Chancen sie haben
Oft versucht, aber nicht erreicht: Manche Menschen können und wollen sich nicht festlegen. Im Gegensatz zu denen, die ihre berufliche Heimat gefunden haben, leiden andere unter der Fülle ihrer Interessen und Begabungen. Sie haben das Gefühl, dass es den Job, der all ihren Facetten gerecht wird, gar nicht gibt, meinen aber trotzdem, eine Entscheidung treffen zu müssen. Das Ergebnis: unbefriedigende Kompromisse. Karriereberaterin Barbara Sher nennt derartig Unentschlossene "Scanner" – und hat in ihrem Buch "Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast" vielseitig Begabte in Typen aufgeteilt. Ihr Fazit: Viele Leidenschaften sind keine Schwäche! Und: Es gibt Wege, sie unter einen Hut zu bekommen.
Am liebsten würden Sie zwei verschiedene Berufe ausüben, die sich in Ihren Augen aber unmöglich miteinander verbinden lassen – etwa Ärztin und Schneiderin. Sie haben das Gefühl, im Leben nur eine Alternative zu haben: Entweder sich selbst zu verwirklichen oder vernünftig zu handeln und andere Menschen nicht zu enttäuschen. Bei Ihrer Jobwahl siegt demnach die Pragmatik über den Traum.
Lösung: Statt zu denken "Ich kann nur das eine oder das andere haben" sollten Sie lernen, auch nach unkonventionellen Lösungen zu suchen. Etwa nur vier Tage die Woche in der Praxis zu arbeiten und nebenbei einen Schneiderei-Kurs zu belegen. Oder: Suchen Sie sich einen Job, der flexibel ist – zeitlich begrenzt und am besten ortsunabhängig. So haben Sie die Möglichkeit, parallel oder nacheinander beiden Interessen gerecht zu werden.
Sie suchen alle paar Monate nach einer neuen Herausforderung – von der Yogalehrerin bis zur Immobilienhändlerin. Sobald Sie eine Sache beherrschen, sehen Sie sich nach etwas anderem um – weil es Sie reizt, immer wieder bei null anzufangen. Allerdings fällt es Ihnen schwer, neue Aufgaben zu finden. Und wenn zwischen zwei Projekten Leerlauf entsteht, ist das für Sie enorm belastend.
Lösung: Die Mühe und Energie, die Sie in etwas gesteckt haben, ist nie umsonst gewesen, selbst wenn Sie die erworbenen Fähigkeiten nicht ständig anwenden. Im Gegenteil: Auch diese Kenntnisse steigern Ihre berufliche Qualifikation! Setzen Sie sich in Übergangsphasen nicht unter Druck. Gehen Sie unter Leute, seien Sie öffentlich präsent und maximieren Sie so die Chancen, neue Interessensgebiete und Aufgaben zu finden.
Sie sind ein Tausendsassa: sehr gut in allem, was Sie anpacken, aber nirgends wirklich herausragend. Sie sehnen sich danach, endlich Ihre wahre Leidenschaft zu entdecken, denn dann könnten Sie auch eine klare beruflliche Entscheidung treffen. Auf der Suche nach Ihrer Passion wechseln Sie von einem Job zum nächsten – und werden das Gefühl nicht los, ziellos umherzutreiben.
Lösung: Machen Sie sich klar, dass in Ihrem Lebenslauf nichts fehlt. Sie haben zahlreiche Fähigkeiten und damit stehen Ihnen bei der Wahl eines befriedigenden Jobs viele Türen offen. Doch nach Ihrer wahren Leidenschaft suchen Sie vermutlich am falschen Ort. Denn die meisten Universalisten finden ihre Erfüllung gar nicht bei der Arbeit, sondern im Privatleben – unter guten Freunden, in der Familie oder bei einem intensiven Hobby.
Ihre zahlreichen Interessen ziehen Sie gleichzeitig in so viele verschiedene Richtungen, dass Sie sich oft wie gelähmt fühlen. Nur zu gern würden Sie eine Aufgabe mal wirklich zu Ende bringen, bevor Sie sich schon wieder voller Eifer in die nächste stürzen. Aber egal was Sie tun, Sie haben immer das Gefühl, etwas anderes zu verpassen. "Sybillinisch" bedeutet "geheimnisvoll, mysteriös". Das Adjektiv passt zu Ihnen, denn es ist Ihnen ein Rätsel, wie Sie es jemals in einem Gebiet wirklich zu etwas bringen sollen – weil Sie die verschiedensten Dinge immer wieder ein bisschen, aber nichts richtig in Angriff nehmen.
Lösung: Ihr Interessenwirrwarr braucht Struktur. Machen Sie sich eine Liste Ihrer Lieblingsprojekte: Ihre Arbeit als freie PR-Beraterin weiter ausbauen, einen Kochkurs an der Volkshochschule anbieten, das Beet vor dem Küchenfenster bepflanzen. Legen Sie sich dann je nach bevorzugtem Wechselrhythmus für diese Tätigkeiten einen Tageszeitplan an. Dieser gibt Ihnen einerseits die "Erlaubnis", sich in kurzen Abständen verschiedenen Aufgaben zu widmen; andererseits werden Sie in kleinen Schritten tatsächlich etwas erreichen, weil Sie langfristig an Ihren Ideen dranbleiben.
In einem normalen, durchschnittlichen Job fehlt Ihnen die Abwechslung. Irgendwie brauchen Sie mehr Aufregung in Ihrem Leben – allerdings fällt es Ihnen schwer zu sagen, wie diese konkret aussehen sollte. Sie haben eine ellenlange Liste von Dingen im Kopf, die Sie gern einmal ausprobieren würden, die aber herzlich wenig miteinander zu tun haben: ein Haus bauen, ein Kinderbuch schreiben, eine Arie komponieren, sich an einem Umweltschutzprojekt beteiligen. Sie sind getrieben von einer schier endlosen Wissbegier, möchten immer wieder Neues lernen und sich in verschiedensten Bereichen austesten.
Lösung: Ihre Allround-Neugier in einem Job befriedigen zu können, ist eher unrealistisch. Vielmehr sollten Sie sich einen Arbeitsplatz suchen, der Ihnen genug Energie und Zeit übrig lässt, um sich in Ihrer Freizeit auszutoben. So entfällt auch der Druck, mit Ihren Lieblingsbeschäftigungen Geld verdienen zu müssen. Effektiv ist zum Beispiel die Methode "Kreatives Quartalsprojekt": Widmen Sie jeweils drei Monate lang Ihre Feierabende oder Wochenenden intensiv einem speziellen Thema. So werden aus vielen unerfüllten Sehnsüchten schnell konkrete Taten.
Der Expertin: Barbara Sher ist Karriereberaterin in New York. Sie bietet auf der ganzen Welt Vorträge und Workshops zum Thema Berufsfindung an. Ihr aktuelles Buch: "Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast" (dtv, 15 Euro).
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